Leere Seiten ist eine Geschichte die ich vor zwei Jahren geschrieben und jetzt wiedergefunden habe. Ich habe nicht mehr an sie gedacht und als ich sie gelesen habe standen mir die Tränen in den Augen. Ich will euch an ihr Teilhaben lassen, denn das Leben besteht nunmal aus Leeren Seiten

 

 

Leere Seiten

Kapitel 1

Die Schwierigkeit des Schreibens

Leer Seiten, das ist es worauf Schriftsteller ihre Träume verfassen, doch was ist wenn die Seiten leer bleiben. Keine Inspiration zu haben ist das Schlimmste was passieren kann. Abende lang vor dem Bildschirm zu sitzen und kein Wort zu schreiben. In solchen Situationen braucht man einen Engel, eine Inspiration, aber wenn auch diese ausbleibt, wenn kein Engel kommt, über was kann man dann schreiben. Darüber wie man sich Tag für Tag durch das Leben quält, weiteratmet und trotz aller Umwege und Steine weitergeht. Darüber wie man versucht nicht aufzugeben um nach einem endlosen Weg, vielleicht doch noch Inspiration zu finden. Ist das Leben nicht das was uns zustößt während wir uns etwas anderes vorgenommen haben, lohnt es sich nicht darüber zu schreiben, aber wenn man keine Worte findet, für das Leben. Wörter die etwas beschreiben, ein Gefühl, aber woraus bestehen diese Wörter denn, doch nur aus Buchstaben und woraus bestehen sie, aus Linien, Kreisen, Ecken und Kanten. Sie bestehen doch auch nur aus zerplatzen Träumen. Das leben ist so schwer, noch schwerer als über es zu schreiben und so quälen sich Tag für Tag Tausende von Schriftsteller über leere Seiten hinweg, auf denen sie versuchen ihre Träume zu verwirklichen und sehen es als Fortschritt wenn sie einen Satz geschrieben haben. Aber ist es nicht auch ein Fortschritt. Denn Geschichten sind doch nichts anderes als Erzählungen, Satz an Satz zusammengefügt.

Über was kann man schreiben, über das Glas Rotwein, das vor mir steht, dieser zarte Duft der in meine Nase steigt. Über den nussigen Geschmack, der sich in meinem Mund ausbreitet und über den einmaligen Geschmack danach, der sich mit dem mild würzigen Geschmack der Zigarillo, die ich vorhin geraucht habe, vermischt. Darüber das ich als ich sie geraucht habe alleine am Flussufer saß, in meinen Gedanken versunken und mir einen Engel herbeiwünschend. Der Kühle Wind ließ mich frieren und die Hip Hop Musik einiger Verrückter Jungs dröhnte mir von weither in den Ohren. Darüber das ich beschlossen hatte nach einem langen harten Arbeitstag noch spazieren zu gehen.

Welches dieser Dinge ist es wert das ich über sie schreibe und gibt es nicht schon tausend von Geschichten. Und so bleiben mir an diesem Tag auch nur leere Seiten. Kein Traum, der sie beschreiben hat, keine Inspiration, kein Engel über den ich schreiben kann ist mir erschienen und die Vergangenheit scheint mir ein kleines bisschen Grauer. Und die Zukunft rück unaufhaltbar näher. Zu schnell vergeht die Zeit. Was sind 60 Sekunden, doch nur eine Minute, ein paar Atemzüge. Mit leeren Seiten beende ich nun auch diesen Tag. Ein Tag an dem ich einfach nur einen Weg gegangen bin, an dem ich nicht gelebt habe, an dem ich nur geatmet habe. Das Glas Rotwein vor mir ist leer und der Geschmack der Zigarillo verschwindet. Ich werde jetzt schlafen gehen, und auf einen neuen Tag hoffen, an dem ich vielleicht endlich ein Paar Seiten beschreiben kann. An dem mir nicht nur leere Seiten bleiben.

Das Leben wird meine Seiten beschreiben. Ich kann nicht glauben das ich das mal gesagt habe. Es ist Schwachsinn ohne Inspiration, ohne Können, kann auch kein Leben leere Seiten füllen.

Und so ist ein weiterer Tag vergangen und ich lebe trotzdem noch. Mir bleiben erneut nichts weiter als leere Seiten die es zu beschreiben gilt. Mir fehlen die Inspirationen.

Es gibt zu viele Geschichten über Gut und Böse, über die Liebe, über Morde über das Unglück und das Glück, über Feen und Elfen oder über Dämonen. Ich will nicht klauen, keinen Abklatsch von anderen Büchern schreiben, ich will etwas eigenes schreiben. Eine Geschichte, in der nicht der Held oder der Bösewicht siegt, eine in der das Leben und die Träume siegen. Aber meine Inspiration zu solchen Geschichten, ist wie ein Schmetterling in den letzten Abendstunden zusammen mit meinen Träumen zum Horizont geflogen und verschwunden.

Mir fällt es leicht Kurzgeschichten zu schreiben, in denen sie ihren Retter findet und er sie aus der Hölle Leben befreit. Ich kenne den Anfang und das Ende der Geschichten, aber die Mitte zu schreiben in der man weiterlesen will, neues erfahren will kaum das Ende erwarten kann, fällt mir schwer zu schreiben.

Ich habe ein Buch gelesen, das mich auf eine Reise geführt hat. Keine Reise auf dieser Welt, nein eine Reise meines Geistes. Ich möchte etwas schreiben, in der, der Leser sich Welten nicht nur vorstellt, in der er wirklich eintaucht. Sein Geist soll seine Flügel ausbreiten und davon fliegen. Ja, solche Geschichten will ich schreiben, aber auch solche in denen man mit dem Helden mitfiebert. Geschichten die in einer anderen Welt spielen. Geschichten in denen Menschen aus ihren träumen gerissen wurden um sich dann ein neues Leben aufzubauen.

Aber es ist so schwer und meine Inspiration ist gegangen. Hat mich in der kalten Welt allein gelassen und seitdem er weg ist fällt mir das schreiben so schwer. Er hat meine Träume mit sich gerissne und Geschichten die ich begonnen hatte zu schreiben während er da war enden mit leeren Seiten.

Der Verlag will etwa sehen, aber ich kann ihm keine halben Geschichten die ich wahrscheinlich nie zuende bringen werde oder leere Seiten abliefern. Aber was soll ich ihm dann geben, nicht einmal mein Tagebuch ist eine Story wert.

Meine Freunde wollen etwas lesen, verstehen aber nicht das es mir so schwer fällt zu schreiben.

Meine Inspiration war kein Mann aus Fleisch und Blut. Er existierte nur in meinen Träumen, aber seitdem ich nicht mehr von ihm Träume ist meine Inspiration weg und mir bleiben nur leere Seiten.

Zu oft habe ich nun schon versucht in einem wahren Mann, ihn zu finden, aber es geht nicht, niemals werde ich das fühlen, was ich bei meinem Traummann gefüllt habe. Niemals wird er mir die Inspiration und Geborgenheit geben, nach der ich mich so sehne. Ich weiß nicht ob es ihn auf dieser Welt gibt, aber solange ich ihn nicht gefunden habe sehne ich mich weiter nach meinen Träumen und wenn sie ausbleiben, werde ich auch keine Inspiration haben.

Sein Bild in meinem Kopf verblasst langsam. Nach und nach vergesse ich seine Stimme, sein Gesicht, seine Berührungen, seine Seele. Nach und nach wird er immer mehr zu einem Schatten, der nur noch eine flüchtige Erinnerung an ein paar Träume ist. Ich hoffe ich werde ihn erkennen, wenn er vor mir steht und sein Bild vielleicht ganz ausgelöscht ist aus meinen Träumen.

Die Schwierigkeit am Schreiben ist es seine Gedanken in Worte zu fassen, es zu schaffen ein Gefühl auszudrücken. Es ist so schwer mit Worten zu beschreiben. Man kann das Glück nicht kurz beschreiben und das Unglück nicht mit zwei Wörtern. Die Liebe ist zu kompakt als das man sie in einen Satz ausdrücken kann und das Leben zu weit als das es in ein Buch passt. Nur Teile eines Lebens kann man auf Papier bringen, nur einen Ausschnitt des Glücks und der Liebe schreiben. Einen kleinen Teil, ein, zwei Tage, vielleicht auch Wochen, Monate oder ein Jahr, aber nie ein Leben. Keine Freude, oder Trauer, keine Liebe, keinen Schmerz. Nichts kann beschreiben was einen Menschen zu dem macht der er ist und kein Wort kann beschreiben was ich fühle. Wie soll ich beschreieben, das ich ein bisschen von allem fühle. Wie soll ich beschreiben das ich liebe, hasse, lache und weine, traure und Angst habe. Wie soll ich eine Geschichte schreiben, wenn ich all das ausdrücken will, dafür aber doch keine Worte finde? Wie all das in Worte fassen über das ich schreiben will. Worte darüber das ich einen Traum liebe.

Einen Traum zu lieben. Klingt es nicht verrückt, aber wen soll ich sonst lieben? Ich kann nur einen Traum lieben, weil die Realität mir niemanden gibt. Ich will nicht mehr suchen, kann aber auch nicht lernen zu finden. Bis ich finde werde ich einen Traum lieben, denn er gibt mir die Wärme und Geborgenheit die ich brauche und jetzt wo ich schreibe erscheint er mir wieder. Er bleibt nicht nur ein Schatten und ich erkenne das er immer wieder kommt, sobald ich einen Stift in der Hand halte. Er ist meine Inspiration er ist der, den ich liebe, doch wird er dafür Sorgen das sich die leeren Seiten füllen.